>> Home >> Texte zur Kunst >> Deutsche Malerei der Gegenwart
Was sind die Aufgaben der zeitgenößichen Malerei?
Welche Fragen stellen sich den Künstlern der Generation der Enkel? Und welche neuen Anforderungen ergeben sich aus Wirtschaftskrise und Generationenwechsel?
Zunächst: Was ist denn mit der Formulierung “Deutsche Malerei” eigentlich gemeint?
Im Grunde wenig anderes als in den die Begriffen
“Deutsche Fußball-National-Elf” oder
“Deutsche Tischtennis-Nationalmannschaft”anklingt...
Zur ‘Deutschen Malerei’ wird Malerei, so sie Deutschland nach außen hin repräsentiert.
Als Georg Baselitz zum Beispiel damals im Guggenheim in New York ausstellte, stand selbstredend auf den Plakaten und in den Katalogen an den üblichen Stellen das Wort “German”.
Als Kunst also, die nach außen hin repräsentiert, - und so im Grunde stellvertretend für einen Zeitgeist, eine Generation steht und aus Deutschland kommt, will ich den Begriff “Deutsche Malerei” heute provisorisch definieren

eq
Wie in Deutschland Gras über die Sache wächst
Öl auf Leinwand
2001
170x130 cm
Alle Dinge enden, und Rituale erfüllen seit Menschengedenken auch die Aufgabe, Dinge abzuschließen.
Wir legen auf Begräbnissen Blumen (im jüdischen Glauben sind es Steine) auf die Gräber, um uns zu verabschieden, um unserer Trauer symbolisch Ausdruck zu verleihen, aber unter Umständen auch um uns zu Verabschieden, und durch diese Verabschiedung auch unsere Trauer irgendwann zu verabschieden...
Es ist also im Grunde die reine Notwendigkeit es Lebens, die uns nötigt, auch Abschnitte des Lebens irgendwann einmal zu beenden, einfach um weiterleben zu können.
Dasselbe gilt wohl auch für die Toten der Geschichte, die Jahre vergehen,
diejenigen, die die Geschichte noch lebendig erlebten werden weniger und das schlimmste Verbrechen wird zu einer Notiz in den Geschichtsbüchern.
Nun hatten viele der ermordeten Menschen, der Familien und Kinder in den deutschen Konzentrationslagern oft nicht einmal ein Grab - Ihre Asche wurde einfach in den Fluß gekippt...gerade so als ob man Ihnen auch noch die Erinnerung an Ihr Leben und Ihren Tod nehmen wollte.
Insofern stellt sich der echten, da ernsten Malerei der Gegenwart
doch zunächst einmal die recht simple Aufgabe, zu erinnern.
Bzw. auch selbst das Vergessen im Land der Täter zu thematisieren.
Es ist Aufgabe der gegenwärtigen Kunst, dem Thema in einer Welt des Verdrängens, des Vergessens, der ritualisierten jahrestage, aber auch der hilflosen Trauer zu thematisieren und aber auch diesem Übergang
diesem geschichtlichen Übergang des Generationenwechsels eine Form, einen Stil zu verleihen.
Denn wir verabschieden gerade die durch den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg geprägte Nachkriegszeit.
Die Generation der Söhne und Töchter, die 68ger, verabschieden sich momentan in den Ruhestand, es findet in allen Bereichen, in allen gesellschaftlichen Machtbereichen ein Generationenwechsel statt, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt,
- und schon befinden wir uns in einer Krise.
as
.
Nun ist hier die nächste Frage doch die, ob der jeweilige Maler sich schon während des Mal-und Arbeitsprozeßes diese Aufgabe bewusst sein kann, oder bewsst sein darf, bzw ob er sich dieser Aufgabe bewusst sein sollte. Um den sportlichen Vergleich erneut zu bemühen: Natürlich ist Jeder ein Fußballspieler, jeder der im Sommer auf der Wiese im Freibad mit ein paar Freunden aus Spaß am Spiel einen Ball durch die Gegend kickt... Und natürlich ist auf der anderen Seite das Viertelfinale der Weltmeisterschaft mit Millionen von Zuschauern immer noch “Fußball”.
Vor der leeren Leinwand im Künstleratelier macht es insofern durchaus einen Unterschied, ob sich der Maler Gedanken darüber macht, für welche Wände er seine Bilder malt. Bilder für Büroräume sind unter Umständen andere Bilder als Bilder für Wohnzimmer, den Raum über dem Sofa oder eben Bilder für demokratische Kunst-Ausstellungsorte
Kann man als Maler der Generation der Enkel also in Berlin vor der leeren Leinwand stehen, sich dem oben gesagt bewusst sein und dann das große Thema des letzten Jahrhunderts, den Holocaust, Auschwitz, einfach ausklammern? Verdrängen? Ignorieren?
Weil der Zeitgeist das Thema nicht mehr hören will, die Lebensumstände marktgerechte und konsumierbare Kunstmarktobjekte fordert und die Umwelt mit ein paar “schönen Bildern” schon zufrieden wäre?
Und ist es aber auf der anderen Seite eigentlich möglich, sich auf einer künstlerischen, auf einer geistigen Ebene diesem Thema professionell und beruflich zu nähern, ohne dabei, also bei der kontinuierlichen Beschäftigung mit den Gräuel dieser Zeit, Beschädigungen zu erleiden


ART LABEL / KUNSTHANDEL
2011-03 Über das Malen von Sonnenblumen 1 2 3
