Die Krise und Ihre Ursachen. Das Huhn und das Ei.
Ist das Sinken des hegemonialen Anspruchs der übriggebliebenen Weltmacht USA nun das Ergebnis der Krise, oder aber ist die Krise nur das eigentliche Symptom dieses Zerfalls?
Und was bedeutet die veränderte Weltlage für das “alte Europa”?
26.04.2009
General Motors sei Amerika. So hieß es lange. Die großen, teuren und benzinfressenden Luxuskarossen des einstmals größten und mächtigsten Industriekonzerns sind übriggebliebene Symbole einer
Epoche, die geprägt war vom Sieg über Nazi-Deutschland und dem Ende des Kalten Krieges nach dem Fall der Mauer.
Was da mit GM und Crysler gerade untergeht, ist nicht nur eine besonderen Wirtschaftssparte, die nicht in der Lage war, Ihre Produkte den veränderten Bedingungen anzupassen, was hier endet, das ist die Weltordnung der Nachkriegszeit, mit der wir alle groß geworden sind.
Drei Banken sind am heutigen Tage in Amerika pleite gegangen, mittlerweile ist auch das im Grunde schon keine besondere Nachricht mehr, - erwähnenswert wird sie nur, wenn man sich den Namen einer dieser Banken auf der Zunge zergehen lässt:
Mit der kalifornischen “First Bank of Beverly Hills”, mit Kundeneinlagen von knapp einer Milliarde Dollar und einer Bilanzsumme von 1,5 Milliarden Dollar meldete die 25ste Bank in diesem Jahr Insolvenz an.
Und so könnte man mit den stetig schlechten Nachrichten
von der anderen Seite des großen Teiches, die Regierungszeit
George Bushs in diesem Sinne vielleicht als das letzte, große (und konservative) Aufbäumen des amerikanischen Nachkriegsgeistes betrachten, der geprägt war vom Anspruch auf eine weltweite Führungsrolle der USA.
Beruhigend ist die abschließende Bilanz dieses Aufbäumens jedoch nicht:
So machte George Bush während seiner Regierungszeit mehr Schulden, als alle Präsidenten von George Washington bis Ronald Reagan zusammen, und er scheint als einer der schlechtesten Präsidenten aller Zeiten in die Geschichte einzugehen.
Mittlerweile kursieren sogar Gerüchte über einen drohenden Staatsbankrott der Vereinigten Staaten von Amerika.
Aber schaut man sich mal die ursprünglichen Erfinder der gebündelten und weltweit weiter verkauften Papiere an, die man heute nur noch als Giftmüll bezeichnet, dann kann man durchaus feststellen, dass schon die Macher in den Investmentbanken einer anderen Generation angehörten...
Und so ist die Finanzkrise am Ende vielleicht auch eine Generationenkrise, eine Krise also, die in den Köpfen dadurch entstand, dass die Leitfiguren, die Autoritäten einer ganzen Epoche sich in den Ruhestand verabschiedeten, und so gewissermaßen ein geistiges Vakuum hinterliessen, welches nicht adäquat gefüllt werden konnte.
- So wie nun auch das weltweite Sinken der amerikanischen Vormachtsstellung ein machtpolitisches Vakuum zu hinterlassen scheint.
Er wolle zuhören, sagte Obama beim zurückliegenden Weltwirtschaftsgipfel.
Doch wer hat ihm was zu sagen?
Ist nicht die eigentliche Krise des amerikanischen Imperiums am Ende vielleicht sogar eine kulturelle ?
Denn das kulturelle Fundament der Vereinigten Staaten reicht eben nun mal gerade mal ungefähr 200 Jahre zurück...
(Von der Geschichte der amerikanischen Ureinwohner jetzt einmal abgesehen)
Und so werfen die Vorgänge auf der anderen Seite des Atlantiks auch völlig neue Fragen für den europäischen Kontinent auf.
Denn wer in einem sich vorwärts bewegenden Universum stehen bleibt, der bewegt sich rückwärts.
Vielleicht lautet die naheliegende Frage der Gegenwart also:
Wer läuft eigentlich Vorne?
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