25. April 2010
Was die tagesaktuelle, griechische Tragödie mit Hartz 4
und der Kunst zu tun hat...
Von A. Schäfer
Wann sind Sie das letzte Mal nackt auf die Strasse gegangen?
Noch nie? Warum denn nicht?
Die not-wendige Antwort, - also die existentielle Antwort wäre natürlich:
Um nicht zu erfrieren, um keinen Sonnenbrand zu bekommen oder um bei Regen nicht nass zu werden. Natürlich.
Aber jenseits dieser pragmatischen Vorteile der Kleidung, ist das, was Sie in der Regel im Bekleidungsgeschäft Ihrer Wahl käuflich erwerben (- es sei denn,
Sie schneidern selber...^^) und dann öffentlich zur Schau tragen,
auch Ihre unmittelbar sichtbare Oberfläche, Ihre Kleidung ist das,
was Ihr Gegenüber als erstes von Ihnen zu sehen kriegt
( - und für einen ersten Eindruck gibt es ja bekanntlich keine zweite Chance... )
OK, aber was hat denn nun dieser Ausflug in die bunte Welt der Mode
mit der griechischen Staatspleite zu tun? Werden wir gleich sehen. :)
Die griechische Tragödie ist in mehrfacher Hinsicht auch eine Krise des Euros
- und damit auch der Europäischen Union. Und da die Schuldenproblematik nun immer akuter wird, zeichnet sich gerade ab, dass für Griechenland die Gefahr des Austritts aus der Euro-Zone unmittelbar als Option im Raume steht.
An dieser Stelle muss man seriöserweise darauf aufmerksam machen, dass es in der Tat seit der Einführung des Euros viele Warner und Anmelder von Bedenken gab, die dieses Szenario schon vor langer Zeit angekündigt und beschrieben haben (und deswegen vom Mainstream überwiegend geächtet wurden - einige finden Sie in den Links am Ende dieses Artikels).
Wir reden hier also gerade wohl tatsächlich über eine mögliche Auflösung der EU, vom absehbaren Scheitern des Euros und genau an dieser Stelle wird es dann vielleicht so langsam Zeit, dass sich auch andere Kräfte in die makroökonomischen und internationalen Diskussion einmischen:
Das Tiefste ist die Oberfläche,
- wie wir gesehen haben, ist das im Falle der individuellen Repräsentation nach aussen hin eben Ihre Kleidung, aber darf man in diesem Zusammenhang nicht einmal nachfragen, ob es eine ähnliche, eine wahrnehmbare Oberfläche, eine sichtbare und nicht minder notwendige Repräsentationsfläche auch für das Innenleben von ganzen Staaten, Nationen oder gar für eine Struktur wie die Europas geben könnte bzw. müsste?
Der Kultur - also auch der Kunst, - als Vorgang der Sichtbarmachung von inneren und unsichtbaren Prozeßen, könnte ja unter Umständen eine solche repräsentative Aufgabe zukommen, - aber mit diesem (lebendigen) Gedanken, in den wir (als BfSeMa) offensichtlich unmittelbar involviert sind, stellen sich schon und automatisch viele verschiedene Folge-Probleme, von denen wir hier nur kurz einige aufgrund des tagesaktuellen Drucks ansprechen wollen:
Denn hätte Europa also eine Art kultureller Oberfläche, ein kulturelles Gewand sozusagen, dann müsste man doch gleichzeitig auch definieren,
wo genau diese (kulturelle, wirtschaftliche, politische) Grenze zwischen Innen und Aussen eigentlich verläuft, und damit sind wir schon bei so Themen wie der Osterweiterung, den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei und nun auch bei der griechischen Bankrotterklärung angekommen.
Eingangs hatte ich in dem Zusammenhang ja zudem noch die Frage gestellt,
was die Griechenlandpleite eigentlich mit H4 zu tun habe...
Ich möchte also heute die folgende, (provokanten) Gedanken in das weite Feld der öffentlichen und virtuellen Diskussionen hineinwerfen:
Die angeführten EU - und Euro-Kritiker haben ja nun das Projekt des Euros für gescheitert erklärt, aber wie würde ein solches Scheitern denn eigentlich
aussehen?
Während sich weltweit abgegrenzte Wirtschaftszonen entwickeln,
(Kanada-USA-Mexiko, Russland, Brasilien, Asien) und während Länder, die wir früher als “Schwellenländer” bezeichnet haben, sich nun zu Global Playern aufschwingen,
würde Europa mit dem Auseinanderbrechen der EU sich unmittelbar wieder in einzelne Nationalstaaten zersplittern, mit all den bekannten Problemen des letzten Jahrhunderts.
Nun kann man ja mal feststellen, dass die sogenannte Globalisierung nicht von heute auf morgen über uns gekommen ist, verschiedenen Entwicklungen und Entscheidungen haben uns dahin gebracht, wo wir heute stehen,
und währenddessen wurden, zumindest nach der Meinung des Autors dieses Textes, schwerwiegende, politische Fehler gemacht,
- und soviel sei schon mal angekündigt: dieses wird garantiert nicht der letzte diesbezügliche Artikel bleiben.
Der gravierendste Fehler in diesem Spiel dürfte ausdrücklich die Einführung von H4 in Deutschland gewesen sein, und zwar in dem Sinne, dass auf politischer Ebene nichts anderes versucht wurde,
als sich den sozialen und materiellen Bedingungen der Entwicklungs- und Schwellenländern anzugleichen,
sprich, es wurde versucht, durch Sozialabbau, Lohnkostenkürzungen
mit dieser Konkurrenz mitzuhalten, die zu ganz anderen (und zum größten Teil menschenverachtenden) Bedingungen produzieren kann,
statt
eine oben beschrieben Grenze um ein wie auch immer geartetes Europa zu ziehen,
und durch eine bewusste Zoll-und Machtpolitik von den Entwicklungs - und Schwellenländern unsere hohen und in langen Kämpfen erzwungenen sozialen, politischen und ethischen Standards einzufordern.
Die Politik ist hier Dank mangelndem Selbstbewusstein und machtpolitischer Schwäche (und also ohne Not) vor der Großindustrie eingeknickt, die man an dieser Stelle der Diskussion laut zwei DInge rufen hört:
“Absatzmärkte” und “Dann gehen wir eben nach Rumänien”.
Die richtigen, politischen Antworten wären vielleicht gewesen:
1. Wirklich funktionierende, lohnende Absatzmärkte sind auch sozial, politisch und “ethisch” entwickelt.
Und:
2. “Dann geht doch nach Rumänien...”
Aber wenn ihr anschliessend in Europa verkaufen wollt, dann bitte nach unseren Spielregeln.
Aber wie wir im Grunde alle wissen, zeigt sich wahres Selbstbewusstsein ja oft erst in der Not, weswegen sich echtes Selbstbewusstsein jenseits all dieser materiellen
Werte entwickelt.
Ein zu forderndes, europäisches Selbstbewusstsein zumindest sollte durchaus nicht
an EU-Technokraten oder Politikern gemessen werden,,
ein europäisches Selbstbewusstsein oder gar ein europäisches Selbstwertgefühl
müsste sich vielleicht wirklich zunächst an anderen Werten und Überzeugungen
entwickeln...
Anders:
Gibt es, ohne einen gemeinsamen (kulturellen) Nenner,
auf den sich alle (europäischen) Kulturmenschen einigen könnten, überhaupt ein gemeinsames Europa? Ein Europa jenseits der materiellen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten?
Oder noch konkreter und mit Nietzsche gefragt:
Ohne ein gemeinsames Ziel, gibt es da überhaupt (eine deutsche Nation)
oder, übertragen auf Europa, eine gemeinsame europäische Zukunft?
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