Insofern möchte ich hier unterscheiden, zwischen all den gängigen Klischees vom Künstler
in den Köpfen breiter Teile der Bevölkerung, die sich gerade an dem Maler Van Gogh festmachen
und der tatsächlichen, künstlerischen Substanz und der malerischen Bedeutung des Künstlers
Vincent van Gogh.
Mit dem Klischee wird man in der Tat als lebender Künstler sehr viel häufiger konfrontiert, als man vielleicht glauben könnte. Ich weiss gar nicht, wie oft ich schon die Geschichte von dem Maler gehört habe, der zu seinen Lebzeiten irrwitziger weise kein Bild verkauft hat, während seine Bilder heute Millionen wert sind, in allen Variationen.
‘Ich müsse mir ein Ohr abschneiden’, (haha) oder aber am besten einfach sterben,
dann würde ich vielleicht auch Bilder verkaufen. Usw.
Und in unzähligen privaten Räumen finden sich Kunstdrucke und Poster seiner Sonnenblumen,
- nicht zuletzt als DAS expemplarische Sujet und Kunstwerk, als Repräsentanten der Kunst ansich.
Dass dem so also ist, das macht das Malen von Sonnenblumen heutzutage, wie wir gesehen haben, zum Tabu und somit hochgefährlich.
Insofern als es natürlich auf einer oberflächlichen Ebene riskant ist, die Sehgewohnheiten,
der Mehrheit und des übergeordneten Mainstreams, des kollektiven, kulturellen Gedächtnisses aufzugreifen, zu thematisieren und erneut abzubilden, um sich so auf diese Ebene hochzuhebeln...

Nun könnte ich sagen, mit diesen Überlegungen, dass es mir aus Gründen der Provokation genau darum gegangen wäre, aber das entspricht so nicht ganz der Wahrheit. Ich bin mir nur vor, während und nach der Realisierung über diesen genannten Kontext völlig klar gewesen.
(OK, wie ich hier schon beschrieben habe, habe ich mich zugegebenermassen schon während meines Studiums mit diesen tatsächlichen Tabus innerhalb der zeitgenössischen Malerei beschäftigt, und damals erschien er mir tatsächlich die Idee, der Vorsatz,
als deutscher Maler meiner Generation der Enkel als “schlechtester Maler der Weltgeschichte” in eben diese einzugehen, für eine gewisse Zeit wirklich sehr verlockend.
(Meine floralen Motive, so ab 2000 (die ich so schlecht finde, dass ich mich tatsächlich noch nicht traute, sie hier zu zeigen) waren Versuche in diese Richtung...)
Mir erschien dieser Ausweg dann schlußendlich und angesichts der gewaltigen, der verruchten und der unerträglichen Aufgabe,
die sich mir (im Grunde seit ungefähr 1992 mit meinem Studienbeginn,
wirklich bewusst ab ca 1995) regelmässig vor der jeweiligen weissen und leeren Leinwand stellte, dann auch zu schwach, zu einfach und in malerischer Hinsicht auch einfach zu einfach. (Ich werde auf diese Thematik an anderer Stelle auf dieser Seite noch ausführlicher eingehen).
Nach dieser ganzen Erörterung und
in Bezug auf das Sujet der Sonnenblumen, die ich frisch vom Feld in eine Vase steckte, um sie alla prima jeweils an einem einzigen Tage auf die Leinwand zu bringen, war die malerische Überlegung nun am Ende ganz einfach die, zur Geschichte der gemalten Sonnenblumen meine hinzuzufügen, auch weil mir das Sujet geeignet erschien, den Unterschied zwischen dem Malen von Sonnenblumen vor und nach dem Holocaust in der Kulturnation Deutschland aufzuzeigen. Dass mir dies notwendig erschien, hatte nun wiederum zwei Ursachen:
Zum einen denke ich, dass jede deutsche Generation das Recht hat, sich völlig neu mit dieser dunklen Zeit auseinanderzusetzen, (so wie jede später gekommene Generation das Recht hat, Sonnenblumen zu malen) ungeachtet der allgegenwärtigen Verdrängung habe ich mir dieses ‘Recht’, trotz all den Belehrungen, Widerstände und Überflüssigkeitserklärungen gerade der 68’ger - Generation, die sich jetzt gerade auf Rente und Ruhestand vorbereitet, nicht nehmen lassen,
zum zweiten aber hatte die Erkenntnis über die Ziele meiner malerisch-beruflichen Ausbildung an einer deutschen Kunstuniversität (plakativ ausgedrückt: dem Aufnehmen und dem Weitertragen der der deutschen Kultur im Bereich der Malerei) in der Tat massive Konsequenzen auch auf mich selbst, insofern als ich mir eben diese oben genannte Verdrängung, die im Grunde nur allzumenschlich ist, und die im Grunde vom ‘Weiterleben’ eingefordert wird, mir (aus beruflichen Gründen) nicht erlauben konnte.
Denn mir stellte sich die Frage, ob Malerei in Deutschland, sofern sie eventuell den Anspruch erhebt, das Innenleben meiner Generation nach aussen hin zu repräsentieren, dieses Thema, den Massenmord, die Leichen im Keller der deutschen Geschichte einfach übergehen könnte. Zumindest in all den Ländern, (und Völkern) die unter diesem deutschen Größenwahn zu leiden hatten, ist diese Geschichte jedoch immer noch sehr präsent. Dies
belegen nicht zuletzt die Schlagzeilen während nationalen Fussballspielen, dies belegen politische Äusserungen zur politischen Situation der Gegenwart, namentlich aus Israel.
Und
es gibt in der Bergen eine Tradition der Wanderer, an bestimmten Stellen einen Stein zum
Stein-Haufen hinzuzulegen.
Diese Sonnenblumen sind in diesem Sinne meine Steine, die ich zur Geschichte der gemalten Sonnenblumen hinzufügen wollte. Sie sind, wie sie sind. Und so macht es vielleicht Sinn, diesen Text mit einem Zitat Van Goghs enden zu lassen:
“Ich glaube fast, diese Bilder werden Euch sagen, was ich in Worten nicht sagen kann”.
Nachwort.
Eine gewisse Traurigkeit, eine tief empfundene, keineswegs pathologische, vielleicht sogar eine ‘Traurigkeit des Verstandes’ mag, insbesondere in einer Zeit der ‘Casting-Shows’ und Medien-Inszenierungen
pathetisch wirken. Ich höre diesen Vorwurf schon von weitem auf mich zukommen, (als Urteile, die vielleicht aber nur den jeweiligen Geschmacks-Richter selbst richten...)
Ich möchte an dieser Stelle erklären, dass mir dieser Vorwurf vollständig gleichgültig ist. (Nun in der Tat vielleicht doch in einem pathologischen Sinne...). Ich möchte erklären, dass selbst wenn diese Gemälde
nichts anderes als purer Pathos wären... - ich würde dennoch zu Ihnen stehen. - Würde sie als wichtig und malenswert betrachten.
AS. März. 2011
21. 03.2011




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