Wir haben uns also über die äusseren Begrenzungen (den räumlichen Grenzen, den Gefängnismauern
der Bastille) hinein in die inneren Welten gedacht, nennen wir sie ‘die Welt der Gedankenfreiheit’.
Das Innenleben des Menschen also, das die Kunst manchmal nach aussen kehrt und sichtbar macht.
Wie sieht es hier eigentlich aus?
Gibt es auch hier (unausgesprochene) Begrenzungen? - also Tabus, Verbote, gesellschaftliche Grenzen?
Mich beschäftigten diese Fragen über das Wesen der Freiheit nicht zuletzt und nachhaltig während meines Studiums der “Freien Kunst”
(und sehen wir ein Studium primär als eine Berufsausbildung an, dann in diesem Sinne heute nicht minder, nun jedoch in einem hauptberuflichen Sinne)
(Sie müssen an dieser Stelle bedenken, dass dieser akademische Studiengang (“Freie Kunst”) an einer staatlichen Kunstakademie ja so betitelt wurde, lange bevor ich persönlich meinen ersten Studientag dort erlebte. Blub.)
Auf einer äusserst platten, philosophischen Ebene könnten wir hier nun zunächst mit ‘Herrn Adorno’ eine ziemlich naheliegende und recht durchschnittliche Definition treffen, indem wir lapidar feststellen, dass Kunst immer ‘affirmativ’ (d.h. bejahend) sei.
Wenn ein Künstler sich also eine AK47 besorgt, um damit auf seine Umwelt einzuwirken,
(indem er also das tut, was in der Menschheitsgeschichte zu allen Zeiten eine recht übliche Art und Weise der Einwirkung auf die Umwelt war) - also ‘destruktiv’ handelt, so würden wir uns weigern, diese Handlung in den Bereich der “Kunst” mitaufzunehmen.
(Stichworte: Künstler, Soldat, Schöpfer, Psychopath oder Mörder...)
- dass der Mord, die Gewalt (als Möglichkeit der Freiheit) also ein künstlerisches Tabu darstellt, als eine Form des ‘Neins’ zum Leben, als destruktive Handlung, diese Erkenntnis ist natürlich eine recht seichte und sei hier als kurzer Gedanke nur der Vollständigkeit halber angeführt.

Ich denke, es war nun der sogenannte ‘Malerfürst’ Markus Lüpertz, der in einem Fernseh-Interview sagte, sinngemäß, dass es lange Zeit die Aufgabe innerhalb der Kunst gewesen sei, die Freiheiten zu erkämpfen, beziehungsweise die Freiheiten der Kunst auszutesten und so zu definieren,
heute jedoch sei es vielleicht eher die Aufgabe (der nächsten Generation))
innerhalb dieser erkämpften Freiheit nun herauszufinden, was mit dieser Freiheit nun anzufangen sei...
So gesehen fängt man als Künstler, gerade auch innerhalb eines akademisch geprägten, hauptberuflichen Kontextes nie bei Null an, all die Experimente innerhalb der Kunst, (namentlich auch innerhalb der Malerei in Deutschland seit 1968) müssten ja im Grunde nun kein zweites Mal gemacht werden - um als Simulation, als Nachahmung die Freiheiten der Kunst erneut und erneut auszutesten...
(Der Fachbereich der theoretischen Kunstgeschichte hat für diesen Moment der Auflösung der Grenzen
den Begriff des “anything goes” geprägt, wobei wir hier heute aber einen weiten Bogen um die Analysen dieser spezifischen Personen - und Berufsgruppe machen wollen. (Der man durchaus zurecht einen hegemonialen Anspruch auf die Deutungshoheit über die Kunst unterstellen darf - doch die Kunst wird auch diese Postulierung ihrer eigenen Beliebigkeit durch Aussenstehende überleben...))
Dennoch hätten wir hier eventuell also tatsächlich ein echtes Tabu innerhalb der ‘Freien Kunst’ definiert:
Simuliere nicht, äffe nicht nach, bilde Dir nicht ein, dass du mit dem einen oder anderen Gedanken der Erste bist, male nicht wie Markus Lüpertz. - erkämpfe keine Freiheiten, die Du doch schon hast, und simuliere diesen Kampf auch nicht....
Doch dieses Argument zieht nur kurz und provisorisch, einfach weil der echte Kunstmarkt auf der anderen Seite nach seinen eigenen Gesetzen funktioniert: - Und hier zählen die Sehgewohnheiten der Käufer durchaus.
Unser angedachtes Tabu ist also kein tatsächliches,
im Gegenteil glaube ich eher, dass geschickte Kombinationen aus den tradierten Mal-Stilen durchaus eine Chance auf Anerkennung hätten.
Ein wenig Kandinsky, gemalt im Stile Van Goghs. Oder Baselitz, nur linksgedreht. Etc.
(Zwei provisorische und recht plakativ gewählte Beispiele)
Eben aufgrund der vorgeprägten Sehgewohnheiten des Publikums könnten solche Hirn-Konstruktionen doch durchaus einen gewissen Erfolgreich zeitigen....
(eine These, die man in Form eines kleinen Projektes vllt wirklich einmal austesten sollte...)
Ich möchte nun aber lieber auf die von mir tatsächlich erkannten, auf die echten Tabus des Kulturbetriebes (= Die Felder universitäre Ausbildung, Kunstgeschichte, Ausstellungsbetrieb, Kunstmarkt, staatliche Repräsentation) zu sprechen kommen, die ich nicht zuletzt auch während meiner eigenen akademischen Beschäftigung mit dieser Frage erkannte,
Solche (unausgesprochenen) Tabus wären:
1. Die Abarbeitung an Sujets der Hobbykünstler. (Florale Motive, Totenköpfe, Hund, Katze, Maus, die kleinen Lieblinge des Menschen, Familienmitglieder, Portaits von bekannten Rock - und Popstars, usw.
2. Verweise auf multimedial - plakativ - verbreitete Massenmarkt - und Mainstream - Künstler,
insbesondere auf die bekanntesten ( - Warhol, Keith Haring oder eben Vincent van Gogh)
3. Das Malen der “Blumen am Wegesrand”
Und in der Tat kann man sich, so man diese Tabus verletzt, wohl innerhalb des akademischen Kulturbetriebes und innerhalb des etablierten Kunstmarktes für alle Zeiten den Ruf versauen, - ein Grund mehr, zumindest für mich, diesen Tabus einmal auf den Grund zu gehen....
21. 03.2011

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eq, “Sunflowers 07”, gemalte Sponnenblume
Öl über Dispersion auf Leinwand, 2009
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Büro für seltsame Malerei - Freie Kunst


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